KI ist keine reine Tool-Frage, sondern ein Rennen um Souveränität, Datenhoheit und Werte. Im Interview erklärt KI-Pionier und AlpineAI-Gründer Pascal Kaufmann, warum Schweizer KMU den Wandel von Chatbots zu digitalen Agenten nicht verpassen dürfen – und weshalb die grössten Chancen in vertrauenswürdigen, eigenen Systemen liegen.
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Interview mit Pascal Kaufmann

Pascal Kaufmann
Sie sagen, das Rennen um KI sei ein Rennen um unsere Zukunft. Wer entscheidet dieses Rennen wirklich: Technologie, Politik oder Werte?
Pascal Kaufmann: Entschieden wird dieses Rennen nicht allein durch Technologie, sondern durch Werte, die in Technologie und Politik übersetzt werden. Technologie schafft Möglichkeiten; Politik setzt die Regeln; Werte entscheiden, wofür wir diese Möglichkeiten einsetzen – und wem Daten, Infrastruktur und daraus entstehende Wertschöpfung gehören. Die USA und China verfügen über enorme Kapital-, Plattform- und Rechenkapazitäten. Die Schweiz kann und sollte dieses Spiel nicht einfach kopieren. Unsere Stärke liegt darin, einen vertrauenswürdigen dritten Weg zu bauen: technologisch führend, politisch unabhängig und fest verankert in Datenschutz, Rechtsstaatlichkeit und individueller Freiheit. Wer die KI-Infrastruktur kontrolliert, prägt letztlich auch, welche Informationen verarbeitet werden, welche Entscheidungen automatisiert werden und welche Werte im System mitlaufen. Darum ist das KI-Rennen ein Rennen um Souveränität: Nicht nur darum, wer das grösste Modell baut, sondern darum, ob wir als Gesellschaft die Fähigkeit behalten, kritische Technologien nach unseren eigenen Regeln zu gestalten.
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Viele sprechen über die Chancen und Risiken von KI. Was ist Ihrer Meinung nach die grösste Fehleinschätzung, die Unternehmen heute beim Thema KI machen?
Die grösste Fehleinschätzung vieler Unternehmen ist, KI primär als Tool-Frage zu betrachten: «Welchen Chatbot kaufen wir?» oder «Wie schnell sparen wir Kosten?» Das greift zu kurz. Die Gefahr liegt weniger darin, dass ein Unternehmen zu spät mit einem einzelnen Tool startet. Gefährlicher ist, sensible Informationen unkontrolliert in fremde Systeme fliessen zu lassen und später festzustellen, dass Datenhoheit, Compliance und Know-how bereits verloren gegangen sind. Genau diese unkontrollierte Nutzung öffentlicher KI-Werkzeuge – «Schatten-KI» – wird insbesondere in regulierten Bereichen wie Verwaltung und Gesundheitswesen zum Risiko.
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Als Geschäftsführer eines Schweizer KMU: Welche eine KI-Entwicklung sollte man in den nächsten drei Jahren besonders genau beobachten?
Besonders genau beobachten sollten KMU den Übergang von KI-Chatbots zu KI-Agenten. Generell ist es wichtig, auch in der Zukunft US-Marketingkampagnen nicht zu viel Glauben zu schenken. Relevant für Schweizer KMU sehe ich allerdings den Übergang von Chatbots zu Agenten: Ein Chatbot beantwortet Fragen oder formuliert Texte. Ein KI-Agent kann zunehmend mehrstufige Aufgaben selbstständig ausführen: Informationen aus Dokumenten und Systemen zusammenführen, Angebote vorbereiten, E-Mails bearbeiten, Daten prüfen, Workflows auslösen oder Routineprozesse über verschiedene Anwendungen hinweg koordinieren. Die Forschung beschreibt diese Entwicklung als instruktionsbasiertes Steuern von Computeroberflächen und digitale Aufgabenautomatisierung. Für ein KMU kann das in den nächsten drei Jahren produktiver sein als jede spektakuläre Debatte über Superintelligenz. Entscheidend wird sein, ob solche Agenten:
- auf die eigenen, vertrauenswürdigen Unternehmensdaten zugreifen können,
- mit bestehenden Systemen wie ERP, CRM, Outlook oder Fachanwendungen sicher verbunden sind,
- klar begrenzte Berechtigungen haben und kontrollierbar bleiben,
- in der Schweiz bzw. nach Schweizer und europäischen Datenschutzanforderungen betrieben werden,
- Mitarbeitende von repetitiver Administration entlasten, damit mehr Zeit für Kunden, Qualität und anspruchsvolle Entscheidungen bleibt.
Die Gewinner werden nicht jene Unternehmen sein, die möglichst viele KI-Tools einsetzen. Es werden jene sein, die ihre wichtigsten Prozesse, Daten und Verantwortlichkeiten so gut verstehen, dass sie daraus sichere und produktive KI-Assistenten und -Agenten machen können.
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Pascal Kaufmann ist Gründer verschiedener Tech-Startups im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Mit AlpineAI gründete Kaufmann im Jahre 2023 zusammen mit führenden Schweizer KI-ExpertInnen eine Antwort auf ausländische Techkonzerne, welche Einsicht in vertrauliche und geschützte Daten haben. AlpineAI verteidigt europäische Datensouveränität, indem es SwissGPT für hochregulierte Sektoren wie Spitäler, Psychiatrien, Behörden, aber auch den Bildungsbereich zur Verfügung stellt.
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Am 5. November 2026 wird Pascal Kaufmann am Technology Forum ein Referat zum Thema «Das Rennen um KI ist ein Rennen um unsere Zukunft – Es geht um Freiheit und Werte, nicht nur um Maschinen und Tech» halten. Möchten Sie mehr darüber erfahren? Dann sichern Sie sich jetzt Ihr TEFO-Ticket.
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